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  • Sommerfest 2011

Im Haus der Treue

Betreuungshaus – das ist ein schönes, ein treffendes Wort. Als ich es das erste Mal las und vor dem Haus in Morsbach stand, dachte ich spontan, dass es viel besser klingt als „Seniorenzentrum“ oder gar „Altersheim“.

„Betreuung“ und „Haus“ – bleibt man nah beim Wort, dann verspricht das zunächst schon einmal Treue und Behausung.
Schaut man im Duden nach, so findet man folgende Synonyme zu Betreuung:
„Bemutterung, Pflege, Sorge, Versorgung; (veraltend) Wartung; (österreichische Amtssprache) Befürsorgung, Obsorge“
Und unter Haus steht u.a.: „Bleibe, Heim, Unterkunft, Unterschlupf, Wohnung, Zuflucht, Zuhause; (gehoben) Behausung; (bildungssprachlich) Refugium; (bildungssprachlich, oft scherzhaft) Domizil; (umgangssprachlich) die [eigenen] vier Wände; (besonders süddeutsch, österreichisch, schweizerisch) Daheim“ (Murschbech deheem!)

In den vergangenen Monaten durfte unsere Familie erleben und erfahren, dass das Betreuungshaus Block & Wagner all das leistet, was sich hinter diesen synonymen Begriffen verbirgt. Nicht ein einziger der oben zitierten Begriffe erscheint mir unpassend. Dort in dem schönen Haus im ehemaligen Kurpark wird jeder dieser Begriffe mit Leben erfüllt, bei Tag und bei Nacht. Und das geschieht bisher mit einer recht bescheidenen Eigenwerbung. Die geleistete Arbeit ist das, was die betreuten Menschen und ihre Angehörigen überzeugt.

Es ist die Atmosphäre, die man sofort spüren kann, wenn man das Haus betritt und die Leitung und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei ihrer Arbeit erlebt. Wenn man über Wochen und Monate fast täglich in diesem Haus sein musste bzw. durfte und die gleiche Qualität immer wieder erlebt, dann ist das sehr überzeugend.

Was nützte das schönste Haus, die gelungene äußere Gründung, wenn die innere Gründung, die Gemeinschaftsbildung des Betreuungsteams, nicht gelungen wäre. Und die scheint sehr gut gelungen zu sein; sonst wäre die täglich zu leistende oft schwere Arbeit nicht möglich.

Am Samstagnachmittag fand das Sommerfest statt. Man kennt solche Feste: Es gibt Kaffee und Kuchen, Kartoffelsalat, ein Fässchen Kölsch, Live-Musik durch einen Frauenchor, einen Bläserchor und einen Alleinunterhalter. Der Cantabile Chor Morsbach (Leitung: Rita Klein) und die Parforcehornbläsergruppe Morsbach-Mühlental (Leitung Franz-Josef Quast) bereicherten den Nachmittag und bis in den Abend hinein sorgte Reinhard Rink mit seinem Keyboard für eine schöne leichte Sommerstimmung. Dazu dann noch Tische, an denen Second-Hand-Sachen und Bücher verkauft wurden. Und natürlich auch eine Tombola.

Ja, all das gab in dem romantischen Ambiente des Gartens zwischen Haus, Wisserbach und der Hardt. Da saßen sie an den Tischen unter Sonnenschirmen in fröhlichen Runden und Vierecken. Die betreuten Menschen: die noch gesunden, die wenig hilfsbedürftigen mit Rollator und die sehr hilfsbedürftigen im Rollstuhl, liebevoll begleitet durch Angehörige oder Mitarbeiterinnen. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren irgendwo im Einsatz, ob beim Verteilen von Kaffee und Kuchen, am Grill, an Verkaufstischen oder sonstwo.

Überall Gelächter, Mürschbecher Platt und schöne Begegnungen von Menschen, die sich trotz der großen Hitze prächtig zu amüsieren schienen.

Eine so wunderbare Atmosphäre, in der sich alle wohlfühlen und niemand am Rande bleibt, kann es nur geben, wenn die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motiviert sind für ihre Arbeit und ein guter Teamgeist herrscht. Dass dies der Fall ist, hört man immer wieder, wenn man mit einzelnen spricht.

Nach 17.30 Uhr wurde es zunehmend leerer im Garten. Die Betreuten, die nicht mehr so viel Anstrengung ertragen können, wurden in ihre Zimmer gebracht. Als die Mitarbeiter schon abbauten, saßen an einigen wenigen Tischen noch immer Menschen zusammen und konnten sich lange nicht trennen. Erst nach 19.30 Uhr verschwanden die letzten. Dann lag der Garten wieder still da. Im nahen Bach sammelte eine Entenmutter ihre Kleinen.

Das Betreuungshaus kann für die Bewohner ein wirkliches Zuhause sein, in dem sie in der letzten Phase ihres Lebens ankommen und noch glückliche Tage verbringen.

Paul Schlechtriemen