Markus macht

Drechselvorführung am Freitag, dem 31. Juli 2015IMG_4614

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Da stand er im Aufenthaltsraum der 1. Etage und die Späne flogen. Der Raum war bis auf den letzten Platz besetzt und alle Augen richteten sich auf die Hände von Markus, der sein
Drechseleisen an ein kleines Stück Holz hielt, das sich rasend schnell um die eigene Achse drehte. Es war noch nicht zu erkennen, was es werden würde, aber es dauerte nicht lange, bis
er die Maschine stoppte, das Eisen zur Seite legte und das Ergebnis zeigte: ein kleines Tannenbäumchen, dessen „Äste“ sogar nadelähnlich ausgefranst waren.

Die anwesenden Senioren staunten bewundernd. Sie waren sehr interessiert zu wissen, wie der handwerkliche Produktionsprozess verläuft. Die Bewohner waren erstaunlich aktiv, auch die, die sonst eher schweigend und in sich gekehrt am Dargebotenen teilnehmen. Sie stellten Fragen, erzählten von Situationen aus ihrem Leben, wo sie Ähnliches gesehen hatten und nahmen immer wieder auch fertige Drechselstücke in die Hand, die Markus aus der Schweiz mitgebracht hatte.

Markus Schumacher, Sohn des Bewohners Albert Schumacher, war aus Gros, bei Einsiedeln (Kanton Schwyz) gekommen, um für diesen Freitagmorgen um 10 Uhr, statt der Beschäftigungstherapie,
den Bewohnern des Betreuungshauses eine Drechselvorführung zu bieten. Er hatte seine Maschine auf einem der Tische aufgebaut und hatte alles bei sich, was er für die Demonstration benötigte. Immer wieder griff er für einzelne Arbeitsgänge nach einem anderen Drechseleisen, um eine neue Form gestalten zu können. Es wurde deutlich, wie ruhig und konzentriert das Drechseleisen gehalten und geführt werden muss, um die z.T. sehr filigranen Formen hervorzubringen und nicht im letzten Augenblick doch noch das angestrebte Ergebnis zu verfehlen.

Markus verwendete für seine Demonstration Ahorn, Birnbaum, Kirschbaum und Ulme aus den Bergen der Zentralschweiz (Kanton Schwyz), wo er seit Jahrzehnten mit seiner Frau und seinen Kindern auf ca. 900m Höhe am Sihlsee lebt.

Die wache Konzentriertheit der meisten Bewohner ließ deutlich erkennen, wie sehr sie innerlich beteiligt waren. Das Leben im Betreuungshaus ist vielfältig und abwechslungsreich.

Die Bewohner bekommen immer wieder etwas Besonderes geboten.

Paul Schlechtriemen, 2. August 2015